Das Designtrio EOOS aus Wien, das zuletzt mit Entwürfen im Küchenbereich überraschte, lässt zur ISH wieder in puncto Bad von sich hören: EOOS entwarf „Inipi“, die erste Sauna von Badhersteller Duravit, der die Sauna heraus aus dem Keller und hinein in den Bad- und Wohnbereich holen will. Ganze vier Jahr haben EOOS und Duravit in dieses Projekt investiert. „Wenn Sie ein Projekt über vier Jahre hinweg entwickeln, besteht die Gefahr, dass sich die Seele des Objektes verliert“, berichtete Martin Bergmann bei einem Besuch in Wien. Doch in diesem Fall haben die drei Designer, deren Spezialität es ist, aus der Kraft archaischer Vorbilder für ihre Entwürfe zu schöpfen, die Seele nicht verloren, sondern durch den Prozess erst gefunden. Eine langsame Geburt, die sich aber in ganz klaren Etappen entwickelt hat: Zuerst kam das Raumkonzept und dann erst die Idee.
Neues Haltungskonzept für die Sauna
„Das Briefing von Duravit war ganz einfach, wir sollten ein Wellnessmodul auf geringer Grundfläche machen“, berichtet Gernot Bohmann im Gespräch weiter. Der Uransatz von EOOS bestand nun schlicht darin, die Wanne aus dem Bad heraus und dafür die Sauna hineinzubringen. „Doch dann haben wir erst einmal eine Schachtel gebaut und geschaut, wie man sich in diesem Raum überhaupt einrichten kann“, ergänzt Harald Gründl, das dritte EOOS-Mitglied. Am Ende dieser Studie entstand ein Minimalraum, der auf einer Seite zur Gänze hin offen ist und auf der anderen eine Hinterwand besitzt, die ganz in Licht getaucht wird. Über diese L-Winkel haben sie begonnnen, den Innenraum neu aufzulösen. Das Ergebnis: eine terrassenförmige Anordnung der Elemente zu einer „Niveaulandschaft, die die Bänke völlig anders gliedert“. Auf einer Grundfläche von 235x117 cm bei einer Höhe von 222 cm können nun im Maximalfall vier Personen sitzen oder zwei liegen. Und: Die Menschen können sogar zueinander gewandt sitzen. Doch es ging nicht nur um die Zahl der Personen, sondern auch um die Qualität der einzelnen Haltungen. Harald Gründl hatte sogar intensiv geforscht, inwieweit bestimmte Haltungen, kombiniert mit entsprechender Konzentration, dabei helfen, in andere Bewusstseinsebenen zu kommen. „Das ist aber persönlicher Geschmack“, räumte Gründl ein. Fest steht für ihn jedenfalls, dass dieses „Saunahaltungskonzept“ ein breiteres Haltungsangebot bietet als die Aufteilung herkömmlicher Saunen.
Den Raum frei machen
EOOS hatte nun zwar vier Personen untergebracht, aber es war kein Platz mehr für den Ofen. Aus einem vergangenen Projekt hatte EOOS intensiven Kontakt mit einem Lüftungstechniker, und „der war mit uns schon Kummer gewohnt“, berichtete Bergmann schmunzelnd. Mit ihm haben sie ihre Ideen diskutiert und schließlich gemeinsam einen Prototypen für einen eigenen Ofen gebaut – der erste war schlicht ein Topf, der oben zugeschweißt war. Dieser „Topf“ wurde zum Auslöser für die Entwicklung einer eigenen Technik, die sich dadurch auszeichnet, dass sie komplexe Funktionen beherrscht, aber nichts davon sichtbar macht. In der heutigen Endversion sind alle Aggregate auf einen Träger montiert, der in Verlängerung der Seitenwand komplett hinter einer Holzblende verborgen ist. Der Träger ist ausziehbar. So sind Steuerung, Ofen mit Lüfter und der Verdampfer stets zugänglich, aber nie zu sehen. Auch der Wasserbehälter für das Aufgussmodul hat hier seinen Platz. Fazit: „Dadurch haben wir den Raum nun endlich komplett frei gehabt für das bereits entwickelte Bewegungshaltungskonzept“.
Kulturhistorische Spurensuche
Nachdem sie das Raumkonzept gelöst hatten, folgte eine kulturhistorische Spurensuche. EOOS: „Wir haben geschaut, wie andere Kulturen auf der Welt schwitzen.“ Dabei fand das Trio heraus, dass in allen Kulturen stets ein Bild identisch ist: Ein Stein wurde zum Glühen gebracht, der dann mittels eines Hirschgeweihs in den Ort hineingebracht wurde, wo geschwitzt werden sollte. „Wir fanden, dass das ein fantastisches Bild ist, speziell die Lakota-Indianer haben damit ein total ernsthaftes Ritual verknüpft“, begeisterte sich Bohmann: „Dieser glühend heiße Stein, das war für uns die wahre Geschichte.“ Die Essenz dieses alten Rituals bzw. Instinkts sollte nun neuen Technologien und einer völlig veränderten Umwelt gegenübergestellt werden. Das konkrete Ergebnis: Der Saunagang in der Duravit-Sauna beginnt heute ebenfalls mit einem Stein – in Form einer Fernbedienung mit Display. Sämtliche Funktionen werden von dort aus bedient: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Farblicht und Sound – alles kann per „Stein“ individuell eingestellt werden. Bevorzugte Kombinationen können sogar als Nutzerprofile fest gespeichert werden. Zusätzlich sorgen voreingestellte Szenarien für Abwechslung. Und liegt der Stein auf der Ladeschale, scheint eine Lichtkorona um den Stein herum auf - der Stein wird „aufgeheizt“ und mit Energie versorgt.
Seitlich waagrechtes Licht
Noch etwas ist EOOS bei der kulturhistorischen Spurensuche aufgefallen: Egal ob Erdloch oder Hütte, die gewählten Orte für das Saunahaus hatten immer eine Öffnung, durch die Licht hereingekommen ist, und zwar war der Einfall des Lichtes stets seitlich und horizontal. Gleichzeitig ermöglichte diese Öffnung einen „Hinausblick“. Diesen Blickkontakt zur äußeren Landschaft interpretierte EOOS als ganz wichtiges Merkmal, als bewusste Kontaktsuche, als bewusste Kommunikation mit der Umwelt. Das seitliche Licht haben die Designer auf eine ganze Glaswand übertragen. Die gesamte hintere Wand von Inipi ist in Licht getaucht, leuchtet in verschiedenen Farben und strahlt fundiert Licht nach vorne ab. Die Frontscheibe ist ebenfalls transparent; dadurch ergibt sich der konstante Blick auf die äußere „Landschaft“.
Bergmann liebt diesen Aspekt, von der Sauna aus permanent in Kommunikation mit der Außenwelt zu sein, besonders und träumt davon, eines Tages eine Sauna in den Garten zu stellen - einen Garten mit direktem Blick auf die Dolomiten. Bohmann denkt da pragmatischer und hätte seine Sauna gerne direkt im Büro, damit das ganze Team nach getaner Arbeit Entspannung genießen kann. Und Harald Gründl? Er zieht es vor, zuhause „so wenig wie möglich EOOS-Produkte zu haben“. Ein Fehler, wie die anderen Kollegen meinen. Vielleicht sind ihre Meinungsunterschiede gerade das, was das Trio immer wieder in ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema Design beflügelt – wie das Sonnenpferd, für das ihr Name in der griechischen Mythologie steht.
